ZKM | Museum für Neue Kunst, 17.09.2011 – 05.02.2012
 
Tamy Ben-Tor

* 1975 in Jerusalem (IL), lebt und arbeitet in New York (US)

The End of Art, 2006
Artist in Residence, 2005
Normal, 2006

Aus dem experimentellen Theater kommend, bringt die israelisch-amerikanische Künstlerin in ihren Soloperformances und Videoarbeiten kulturelle Stereotypen und Tabus auf die Bühne, die sie virtuos und oft bis ins Schmerzhafte parodiert. Obwohl Ben-Tors multiple Charaktere allesamt idiotische Züge tragen und ihren multilingualen Text brabbeln, lallen, stammeln oder schreien, bringen sie doch meist erstaunliche Wahrheiten ans Licht.
Mit den hier gezeigten Arbeiten erweist sich Tamy Ben-Tor als genaue Beobachterin der internationalen Kunstwelt und ihrer Protagonisten. So monologisieren in The End of Art eine thailändische Künstlerin auf der einen und eine typisch amerikanische Kritikerin auf der anderen Seite über die Annehmlichkeiten und Absurditäten des Kunstbetriebs. Während sich die „Außenseiterkünstlerin“ mit starkem Akzent (die Anspielung auf Rirkrit Tiravanija ist kaum zu übersehen) sichtlich darüber amüsiert, dass man ihre „Kochkunst“ zur sozialen Plastik hochjubelt und diese sie am Ende sogar reich macht, gesteht die Kunstkritikerin (offensichtlich in Anlehnung an Francis Fukuyama, Autor von The End of History and the Last Man) mit spitzem Mund und großen Gesten, dass sie Kunst weder besonders schätzt noch liebt. Umso mehr genieße sie es jedoch, ihrer Generation voraus zu sein, Trends aufzuspüren und mit nur einem Wort etwas ins Zentrum der Aufmerksamkeit zu rücken. Zielsicher entblößt Ben-Tor mit diesem Video die Wirksamkeit kultureller Klischees im Kunstbereich sowie die Mechanismen von Liberalismus, Markt und Kritik.
Als eine weitaus ärmlichere Gestalt erscheint die nicht mehr ganz junge Residence-Künstlerin im gelben Regencape im Video Artist in Residence. Auf reichlich uninspirierte Weise berichtet sie über ihre Archivprojekte in Baden-Baden: „We didn’t have any ideas. So I found something and we decided to make an archive of this.“ Ein bitterböser Kommentar zum System der öffentlich geförderten Stipendienprogramme und zum Konzept gemeinnütziger Kunstorte, die nicht selten zur Plattform mittelmäßiger Kunstproduktion und gleichzeitig zur Existenzgrundlage für weniger aufstrebende Künstlerinnen und Künstler werden.
Schließlich beschleunigt Ben-Tor in ihrer Videoarbeit Normal die Kommunikationsspirale wortgewaltiger E-Mail-Ketten bis ins Unerträgliche. Sichtlich überfordert, sowohl von ihrem eigenen als auch dem Anspruch ihres Umfelds, und erschöpft vom ununterbrochenen Multitasking, liefert die Protagonistin Zeugnis des alltäglichen Wahnsinns einer hektischen Kommunikationskultur, die zu ihrem Selbstzweck geworden zu sein scheint. (AM)




Alys_Turista

The End of Art, 2006

Alys_Turista

Artist in Residence, 2005

Alys_Turista

Normal, 2006